
Wiesbaden (Q.met) - Die Trinkwasserspeicher im Westharz gehen mit einem deutlichen Defizit in den Winter. Nach Angaben der Harzwasserwerke sind ihre Talsperren nur zu 45 Prozent gefüllt, üblich wären um diese Jahreszeit 67 Prozent. Und der dringend nötige Nachschub lässt weiter auf sich warten: Bis in den November hinein bestimmt Hochdruck das Wetter in Deutschland.
Ein Drittel weniger Wasser als üblich
Die Zahlen nannten die Harzwasserwerke aus Hildesheim am 20. Oktober der Deutschen Presse-Agentur. Von Juli bis September hat es demnach viel zu wenig geregnet, im Oktober kam bis dahin nur etwa die Hälfte der üblichen Menge zusammen. Schon im Juni lag der Füllstand mit 69 Prozent rund zehn Prozentpunkte unter dem Normalwert, die Okertalsperre war damals nur noch zu etwa 37 Prozent gefüllt. Die Talsperren versorgen rund zwei Millionen Menschen in Niedersachsen und Bremen. Nach Angaben des Versorgers ist die Trinkwasserversorgung trotz der niedrigen Füllstände sichergestellt.
Was die Wasserwerke jetzt tun können
Entscheidend ist, dass das Trinkwasser nicht allein aus den Talsperren stammt. Grundwasserwerke liefern zusätzlich ins Netz, und mehrere Speicher sind über Leitungen miteinander verbunden. Im Nordharz-Verbund können die Innerste- und die Okertalsperre Wasser an die Granetalsperre abgeben, wo es zu Trinkwasser aufbereitet wird. Bleibt es trocken, kann zudem vorübergehend weniger Wasser in die Flüsse abgegeben werden. Technikchef Hendrik Rösch hatte bereits im Sommer betont, dass sich die Versorgungssicherheit nicht allein an den Füllständen ablesen lasse.
Hochdruck bis in den November
Für eine echte Entspannung braucht es mehrere nasse Wochen mit Regen und später Schnee im Bergland. Danach sieht es vorerst nicht aus. Ab Donnerstag setzt sich hoher Luftdruck durch, mit Nebel, Hochnebel und Nächten um den Gefrierpunkt, nennenswerter Niederschlag ist bis Anfang November kaum in Sicht. Auch der Deutsche Wetterdienst erwartet bis zum 3. November keine markanten Wettergefahren. Ob im Laufe des Novembers wieder kräftigere Atlantiktiefs durchkommen, ist offen. Der Copernicus-Klimadienst sieht für den Winter in weiten Teilen Europas eher überdurchschnittliche Niederschläge, solche Saisonprognosen sind für Mitteleuropa aber nur eine grobe Richtung.