
Wiesbaden (Q.met) - Rund 17 Stunden Dauerregen haben den Osten von Rhodos in der Nacht zum Montag in ein Katastrophengebiet verwandelt. In Archangelos trat der Fluss über die Ufer, Dutzende Häuser wurden überflutet und mehr als 60 Autos von den Wassermassen mitgerissen. Für die Insel ist es bereits das zweite schwere Unwetter binnen drei Wochen. Griechenland ist damit noch nicht durch: Am Dienstag gilt im Norden und Westen des Landes die rote Warnstufe.
Nachtalarm um halb vier
Der Starkregen setzte am späten Sonntag ein, die heftigsten Güsse fielen in den frühen Morgenstunden auf der Ostseite der Insel. Um 03:30 Uhr schrillten die ersten 112-Warnungen auf den Handys: drinnen bleiben, Keller meiden, Abstand zu Bachläufen halten. Bewohner und Urlauber flüchteten in obere Stockwerke oder auf Dächer. Laut dem Sender ERT wurden mindestens 60 Autos mitgerissen oder beschädigt, einige trieben bis ins Meer. Betroffen waren neben Archangelos auch Kolymbia, Kalathos und Afantou, wo Straßen gesperrt wurden. Um 10:52 Uhr folgte eine zweite Warnung, nur absolut notwendige Fahrten zu unternehmen. Verletzte oder Tote wurden nicht gemeldet, die Schäden sind noch nicht beziffert.
Zweiter Schlag binnen drei Wochen
Für Archangelos ist es ein bitteres Déjà-vu. Schon am 14. Oktober hatte ein Unwetter Rhodos getroffen. Damals spülten die Fluten bei Stegna das Auto eines 62-jährigen Hotelangestellten ins Meer, der Mann kam ums Leben. Auch diesmal blieb es nicht bei Rhodos: Bis zum Montagmorgen zählte die Feuerwehr laut ERT 58 Notrufe aus dem Dodekanes, von Samos und aus der Region Volos, auch Kalymnos meldete Überflutungen. Der Hintergrund ist eine Kombination, die wir in diesem Herbst immer wieder sehen: Kalte Höhenluft liegt über einem noch ungewöhnlich warmen Mittelmeer. Das sorgt für extrem feuchte und labile Luft, aus der sich stundenlang Gewitter am selben Ort entladen können.
Rote Warnstufe im Norden, ruhiges Grau bei uns
Der griechische Zivilschutz hat für neun Regionen die rote Warnstufe ausgerufen. Nach dem Notfall-Bulletin des Wetterdienstes EMY gilt sie am Dienstag für Korfu und die Küste von Epirus sowie für Makedonien, Thrakien, Limnos und Lesbos. Für den Dodekanes besteht weiter die orange Stufe. Erwartet werden heftiger Regen, Gewitter, örtlich Hagel und viele Blitze, auch um Thessaloniki. Danach dürfte sich die Lage über Rhodos allmählich beruhigen. In Deutschland bleibt es dagegen bei einer ruhigen Ostlage: Nebelfelder, nachts leichter Frost bis -2 Grad und auf den Gipfeln von Schwarzwald und Bayerischem Wald steife bis stürmische Böen aus Ost.