Wiesbaden (Q.met) - In den deutschen Weinbergen läuft in diesen Tagen eine Ernte, wie es sie so früh noch nie gegeben hat. Nach dem zweitwärmsten Sommer seit Messbeginn sind die Trauben Wochen vor dem üblichen Fahrplan reif, und die Hauptlese startet gerade in vollem Umfang. Das sonnige Spätsommerwetter südlich der Mittelgebirge treibt die Winzer zusätzlich an.
Vier Wochen früher als vor einer Generation
Den Auftakt machte die Pfalz schon am 12. August, als im Weingut Nett in Neustadt-Geinsheim die ersten Solaris-Trauben für den Federweißen geschnitten wurden. Inzwischen ist klar, dass es kein regionaler Ausreißer war: "Das war in allen Weinanbaugebieten der früheste Lesestart überhaupt", sagte Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut Ende August. Gegenüber den Vorjahren liegt die Lese ein bis zwei Wochen vorn, gegenüber der Zeit vor 30 bis 40 Jahren rund vier Wochen. Weil fast alle Rebsorten gleichzeitig reif werden, dürfte die Ernte bereits im September abgeschlossen sein.
Gesunde Trauben, kleine Beeren, viel Zucker
Die Qualität stimmt: Das Lesegut ist gesund und verspricht aromatische Weine. Doch die Beeren sind nach dem trockenen Sommer kleiner als üblich, das Deutsche Weininstitut erwartet deshalb unterdurchschnittliche Erträge. Zum Vergleich: 2025 kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 8,2 Millionen Hektoliter zusammen, das Sechsjahresmittel liegt bei 8,5 Millionen. Zusätzlich drückt die Hitze auf die Säure, während die Mostgewichte rasch steigen. Genau deshalb wird früh gelesen - der Markt verlangt leichtere Weine mit weniger Alkohol, nicht schwere Alkoholbomben.
Erntewetter: Süden sonnig, Norden nass und windig
Für die Lese im Südwesten sieht es zunächst gut aus. Bis Freitag bleibt es südlich der Mittelgebirge überwiegend sonnig und trocken bei 26 bis 32 Grad, auch am Wochenende halten sich in Rheinhessen, der Pfalz und in Baden freundliche 25 bis 32 Grad. Im Norden ziehen dagegen Regengebiete durch, an den Küsten frischt der Westwind mit stürmischen Böen auf. Ab Montag greifen von Nordwesten Schauer und Gewitter über, in der zweiten Wochenhälfte wird es mit 18 bis 24 Grad deutlich kühler. Für die Winzer heißt das: Wer reife Trauben im Berg hat, sollte das trockene Fenster jetzt nutzen.