Wiesbaden (Q.met) - Nach dem Dürresommer steht das Grundwasser im Süden Deutschlands vielerorts so tief wie nie zuvor. In Baden-Württemberg unterschreitet rund jede fünfte Messstelle ihren historischen Tiefstwert, Bayern meldet ähnliche Zahlen. Jetzt beginnt die einzige Jahreszeit, in der sich die Vorräte überhaupt wieder auffüllen können – und sie startet weitgehend trocken.
Jede fünfte Messstelle unter dem Rekordwert
Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hat nach dem extrem trockenen September Bilanz gezogen: An rund jeder fünften Messstelle liegt das Grundwasser unter dem bisherigen historischen Tiefstwert, an sechs von zehn Messstellen unter dem Normalbereich und an jeder dritten unter den September-Tiefstwerten der vergangenen 30 Jahre. Schwerpunkte sind die Schwäbische Alb, der Hochschwarzwald und Oberschwaben. Die letzte nennenswerte Grundwasserneubildung registrierte die Behörde im Juni, die Bodenschichten sind inzwischen bis weit unterhalb der Wurzelzone komplett ausgetrocknet.
Bayern und Sachsen melden dasselbe Bild
Im bayerischen Niedrigwasser-Lagebericht vom 2. Oktober stehen 86 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen sowie 79 Prozent der tieferen Stockwerke auf niedrigem Niveau, an jeder fünften oberen Messstelle wird ein neuer Tiefstwert erreicht. Der Starnberger See liegt so tief wie in keinem September zuvor, drei von vier Flusspegeln führen weniger Wasser als im mittleren Niedrigwasserabfluss. In Sachsen unterschritten Ende September rund 87 Prozent der 442 ausgewerteten Messstellen den monatstypischen Stand, im Mittel um 54 Zentimeter. Die öffentliche Trinkwasserversorgung gilt als gesichert, in Quellgebieten bleiben Engpässe möglich.
Auffüllen kann erst der Winter
Grundwasser bildet sich praktisch nur im Winterhalbjahr neu. Im Sommer holen Verdunstung und Pflanzen fast jeden Tropfen zurück, erst wenn die Böden von oben bis unten gesättigt sind, sickert Wasser bis zum Grundwasserleiter durch. Nach dem Dürresommer fehlt dafür ein Vorlauf von vielen Wochen, und kurze kräftige Schauer laufen auf den verkrusteten Böden eher ab. Am Sonntag fallen im Westen und Südwesten örtlich 20 bis 35 Liter pro Quadratmeter aus Gewittern, danach bleibt es bis Mittwoch bei 17 bis 24 Grad meist trocken. Erst am Donnerstag kommen Regen, Schauer und stürmische Böen, die Höchstwerte sinken bis Freitag auf 12 bis 18 Grad.