Wiesbaden (Q.met) - Der Pitztaler Gletscher fährt seit dem 26. September, der Kaunertaler wartet weiter auf den ersten Wintertag, und auch Sölden hat den geplanten Start verschoben: Die Gletscher-Skisaison in Tirol kommt nicht in Gang. In 3000 Metern Höhe liegen die Temperaturen noch im Plus – und in drei Wochen soll am Rettenbachferner der Ski-Weltcup beginnen.
Nullgradgrenze über 3300 Metern
Über den Ostalpen hält sich milde Luft. Am Sonntag pendelt die Nullgradgrenze zwischen 3300 und 3700 Metern, in 3000 Metern Höhe sind noch bis zu 6 Grad zu erwarten – Werte, bei denen weder Naturschnee liegen bleibt noch technisch beschneit werden kann. Im Kaunertal fiel zuletzt Regen statt Schnee, ein neuer Starttermin steht deshalb noch aus. Auch die kommende Woche bringt keinen durchgreifenden Kaltluftvorstoß, es bleibt wechselhaft und sehr mild. Erst um den 12. Oktober deuten mehrere Modellläufe einen Trog aus Norden an. Sicher ist das zwei Wochen im Voraus nicht.
Weltcup wird aus Schnee des Vorwinters gebaut
Am 24. und 25. Oktober stehen am Rettenbachferner die Riesenslaloms der Damen und Herren an. Die Rennstrecke startet auf 3040 Metern, endet auf 2670 Metern, überwindet 370 Höhenmeter und fällt im Steilhang bis zu 65 Prozent ab. Gebaut wird sie aus Schnee des vergangenen Winters: Mehrere große Depots haben den Hitzesommer unter Vlies überdauert und werden jetzt den Hang hinunter verteilt. Pistenchef Isidor Grüner gab sich zuletzt zuversichtlich, dass die Reserven reichen. Helfen würde trotzdem jede Frostnacht, denn ohne Kälte lässt sich die Unterlage nicht verdichten.
Fast 100 Gletscher sind verschwunden
Wie schnell sich die Eisflächen verändern, zeigt das neue österreichische Gletscherinventar, das ein Team um Lea Hartl vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Fachjournal "The Cryosphere" vorgelegt hat: Von 894 erfassten Gletschern sind 95 ganz verschwunden, seit Mitte der 2000er-Jahre ging rund ein Drittel der Fläche verloren, etwa 129 Quadratkilometer. Glaziologin Andrea Fischer spricht beim Jamtalferner von vollkommener Auflösung. Deutschlands einziges Gletscherskigebiet an der Zugspitze startet ohnehin erst Ende November.